Die Gründung des Seeclub Sempach

Alles begann 1919

Man schrieb den 2. April 1919, als sich im Gasthaus Kreuz, Sempach sechs sportlich begeisterte Jungmänner versammelten, um einen Seeclub zu gründen. Und weil ihrer nur sechs waren, hatte eben jeder eine Charge zu übernehmen und zwar:

Hans Regulati

Haarschneider

als Präsident

Albert Rogger

Büroangestellter

als Kassier

Josef Wilhelm Haegi

Tuchvertreter

als Aktuar

Josef Portmann

Zimmermann

als Ruderchef

Josef Gabriel

Wagnergeselle

als Materialverwalter

Fredy Helfenstein

Medizinstudent

als Rechnungsrevisor

Als Vereinszweck bezeichnete man „die Förderung des Rudersportes und die Pflege der Geselligkeit“. Die Gründungsmitglieder legten einen Betrag von Fr. 24.- in die Clubkasse und beschlossen gleichzeitig einen Monatsbeitrag von Fr. 3.-. Eine zusätzlich organisierte Lotterie erbrachte den stolzen Betrag von Fr. 700.-. Mit diesem Kleingeld in der Börse durfte man nun drangehen, zwei Boote anzuschaffen. Glücklicherweise offerierte der Rowing Club Lausanne eine 4er Yole de mer, getauft auf den Namen „Indolente“ (die Träge, die Lässige). Das Boot zählte bereits 15 Lenze.

Das zweite Boot, ein Vierer Outrigger mit Steuermann, konnte vom Polytechniker Ruderclub Zürich zu den folgenden Bedingungen erstanden werden: „Für das zu liefernde Vierer Outrigger Boot inkl. vier Riemen und Steuer, alles in gutem, fahrbereitem Zustand, zahlen Sie bei der Lieferung Fr. 100.-. Der Rest von Fr. 300.- ist in Raten innert der nächsten zwei Jahre zu zahlen. Bis zur definitiven Endzahlung bleibt das Boot Eigentum des Polytechniker Ruderclubs und sind Sie für jede Havarie haftbar. Bei einer eventuellen Auflösung Ihres werten Clubs, geht diese Haftung auf die momentanen Mitglieder über.“

Und drei Monate später erhielt unser Verein vom gleichen Club folgendes Schreiben: „Durch ein Versehen gelangten die uns von Ihnen freundlicherweise zugesandten Lose erst spät in meine Hand. Im Laufe unserer Monatsversammlung gelangte der Beschluss zur Annahme, die Lose seitens unseres Clubs nicht zu kaufen, da die von uns für den Vierer Outrigger gestellten Bedingungen unser weitgehendes Entgegenkommen zur Genüge beweisen und die derzeit knappen Mittel des Vereins nicht dazu aufgewendet werden können. Sie erhalten inliegend die Lose zurück.“
 

Harte Zeiten, hüben wie drüben, ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg!

Parallel zur Bootsbeschaffung erfolgte natürlich die Ausbildung in der Rudertechnik. Der seinerzeitige Chronist schrieb: „Da bis jetzt kein Mitglied unseres Clubs in einem richtigen Sportsboot gesessen hatte, begaben wir uns im Mai per Rad ins Bootshaus des Seeclubs Luzern. Bei einem Clubausflug nach Meggen durften wir als Steuermänner funktionieren. Es waren beste Lehrstunden, die man uns vordemonstrierte. Ende Juni konnten wir beginnen, die Theorie in die Praxis umzusetzen. „Fert“ zu machen begriffen wir zuerst, während Kommandos wie „Backbord vor – Steuerbord rückwärts“ noch etwelche Verwirrung stifteten.“

Im Oktober wurde die erste Rudersaison mit immerhin 70 Bootskilometern an einem gemütlichen „Abrudern 1919“ mit Musik und Tanz beendet. Gleichsam krönender Abschluss des Gründungsjahres war am 16. November 1919 die Aufnahme in den Schweizerischen Ruderverband, der zu dieser Zeit unter dem Präsidium von Herrn Ing. Leo Speck stand. Als Patenclub amtete der Seeclub Luzern, sein Präsident, Franz Räber, Buchdrucker, kannte die jungen Ruderer aus Sempach bereits, hatte er ihnen doch kurz vorher die ersten 100 Exemplare der Statuten gratis gedruckt.“

Quelle: Chronik 75 Jahre Seeclub Sempach, Josef Gabriel-Stirnimann
Erste Ausfahrt in der „Indolente“ mit Hans Regulati, Fredy Helfenstein, Josef W. Haegi und Albert Rogger.